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Julias Zeitreise 


Erscheinungsdatum: 10/2001
Entwickler: Compedia
Publisher: Topos /
Limesoft
Boxshots

 

Ein Review von slydos   26. Oktober 2001

 

Julias Zeitreise wird uns als Adventurespiel speziell für Mädchen im Alter zwischen 10 und 16 Jahren angekündigt. Tatsächlich ist unsere Heldin Julia ein fünfzehnjähriger Teenager von heute mit ihren ganz normalen Problemen mit ihrer Umwelt. An diesem Tag geht alles schief und betrübt erzählt sie ihrer Freundin, Mel, davon übers Internet. Die Freundin will ihr helfen und weist Julia auf eine Internetseite hin, die unsere Heldin aufsaugt und in die Vergangenheit der sechziger Jahre statt nur an den Morgen desselben Tages hineinzieht. Ihre Freundin hält mittels Bildtelefon Kontakt zu ihr und versucht zu helfen. Julia findet heraus, daß irgendjemand verhindern will, daß ihre Eltern sich überhaupt treffen. Sollte das glücken, hätte das natürlich fatale Auswirkungen auf die Gegenwart und Julias Existenz. Also beginnt sie, Nachforschungen anzustellen und alles wieder ins Lot zu bringen ...

Julia wird in die Vergangenheit gezogen
Julia wird in die Vergangenheit gezogen

Das Hauptmenü
Das Hauptmenü

Installation

Die Installation des in Macromedia Flash entwickelten Spiels von 1 CD läuft reibungslos (unter Windows 95 und Windows ME getestet) und nimmt nur knapp 3 MB auf der Festplatte ein. Beim Start dieses Point&Click Adventures in der 1st Person Perspektive gelangt man zum  Hauptmenü, wo man neben den Credits ein neues Spiel beginnen oder ein gespeichertes Spiel aufrufen kann. Leider funktioniert der ebenfalls eingebaute Link zur Homepage (www.juliaszeitreise.de) nicht. Hier kann die Spielerin also keine Hilfestellung erwarten und auch das Handbuch sucht man sowohl in der DVD-Verpackung als auch auf der CD vergebens.

Handling

Dafür ist allerdings die Menüführung am unteren Bildschirmrand selbsterklärend und man erhält hier unter dem Fragezeichen-Icon Informationen zur Benutzung der anderen Icons und zum Handling des Spiels. Hier kann man immer die Hilfe der Freundin per Bildtelefon hinzuziehen, ein weiteres Optionsmenü für Notizbuchfunktion, Speichern und Beenden finden, eine Übersichtskarte (hiermit gelangt man auch schnell von Ort zu Ort) und die beiden Inventare aufrufen. Die Bedienung mit der Maus ist sehr einfach - falls die Möglichkeit besteht mit einer Person zu reden, verändert der Cursor seine Form zu einem Handicon und ein Auswahlmenü für den Text klappt auf. Wenn man an einen Punkt in der Unterhaltung kommt, in dem ein bestimmtes Objekt Julias Fragen klären kann, ertönt ein Signal und das betreffende Inventar pulsiert für einen Moment. Hier heißt es dann das richtige Objekt anzuwenden. Zu Beginn erhält man dabei automatisch eine Hilfestellung von der Freundin über Bildtelefon.

Oft haben die Personen, mit denen Julia spricht, einen wunden Punkt und sind zu keinen weiteren Auskünften bereit. Dann benutzt Julia ihre Handtasche (2. Inventar), in der sie Gegenstände aus der Gegenwart wie z.B. einen Walkman oder ein Mobiltelefon mitführt, die ihre Gegenüber unter Umständen wieder auskunftsfreudiger machen. Sonst sammelt Julia alles, was nicht niet- und nagelfest ist ein - solche Gegenstände erkennt man ebenfalls am Handicon, wenn man mit dem Cursor darüberfährt.

Rätsel

Julia bewegt sich wie eine Detektivin von Indiz zu Indiz, erhält durch jedes Gespräch neue Informationen und Hinweise, die sie der Lösung näherbringen. Sie muß gesammelte Objekte an den richtigen Stellen anwenden, die Beteiligten in der richtigen Reihenfolge befragen und in einem Fall auch ein Logik-Rätsel lösen. Die Rätsel sind logisch und relativ einfach. Allerdings habe auch ich an zwei oder drei Stellen dann doch etwas gehangen. Sollte man nicht weiterkommen, befragt man die Freundin, die allerdings meist nur Standardsätze von sich gibt.

Eine bessere Hilfe ist dann schon Shy Ann, eine spirituell angehauchte Medizinstudentin, die Julia zur Beantwortung von Fragen zu Themen aus den sechziger Jahren anhält. Beantwortet Julia drei dieser Fragen richtig mit Ja oder Nein, bekommt sie einen Tipp von Shy Ann. Sind drei Antworten falsch, ist das Spiel vorbei. Diese Fragen haben es allerdings zum Teil schon in sich, da man sich dazu tatsächlich in der Zeitgeschichte auskennen sollte. Beispielsweise wird gefragt, ob Valentina Tereshkova die erste Frau im Weltraum war, ob Alan Ginsburg und Timothy Leary die Poeten der Flower Power Generation waren oder ob die Queen die Rolling Stones 1964 geadelt hat.

Grafik

In diesem 2D-Adventure werden gezeichnete Figuren und Elemente in real fotografierte Hintergründe gesetzt, wobei an poppigen Farben weder bei der Ausgestaltung der Hintergründe noch bei den Charakteren gespart wird - grell und psychedelisch, bunt und kontrastreich, ganz im Stil der Sixties! Wenn man sich die Malereien und Graffitis auf Bürgersteigen oder an Mauern betrachtet, wird man vielleicht einen Moment zweifeln, ob es damals wirklich so extrem war! Ich bin noch in der Lage mich zu erinnern und sehe noch ein regenbogenfarbiges Siddharta-Poster an meiner teils orangefarbigen teils gelben Blumentapete hängen und erinnere mich, wie ich eine Menge Dinge, wie z.B. meine alte Schreibmaschine orange angestrichen habe - die Schreibmaschine funktionierte danach nicht mehr aber die Wirkung des Objekts wurde natürlich enorm gesteigert - ich fand das damals toll!

Also die Grafik ist absolut stimmig und auch der Schauplatz, San Francisco als Metropole der Flower-Power Bewegung gut gewählt. Überall wird man auf Ereignisse und Personen der damaligen Zeit gestoßen, von Martin Luther King und Robert Kennedy bis Janis Joplin und Sergeant Pepper. Aus den persönlichen Geschichten der Charaktere scheinen Frauen- und Antikriegsbewegung, Musikgeschmack und religiös-esoterische Neigungen durch. Im Gegensatz zu mir wird die Zielgruppe jedoch weniger den Wiederkennungswert als die tatsächlich spannende Story schätzen.

Story

Eigentlich sind es zwei Geschichten in einem Spiel: Zu Beginn kann man wählen, ob man zunächst Julias Mutter oder ihrem Vater beistehen will. Beide Geschichte haben zwar dieselben Personen und Schauplätze, jedoch vollkommen unterschiedliche Dialoge, Inventarobjekte und auch einen anderen Schuldigen mit anderem Motiv. Die Geschichte mit den schwierigeren Rätseln ist die der Mutter.

Julia bewegt sich in dem studentischen Freundeskreis ihrer Mutter, einer erfolgreichen Biologiestudentin, die einem ökologischen Verbrechen auf der Spur ist - sie hat fotografische Beweise gesammelt, daß ein großes Chemieunternehmen DDT ins Wasser abläßt und hat sich anonym mit dem Reporter des Guardian, Julias Vater, in Verbindung gesetzt, um die Sache auffliegen zu lassen. Aber der Film wurde gestohlen und es geschehen noch andere seltsame Dinge. Julia muß herausfinden, wer das Treffen der beiden vereiteln will und sammelt Beweise und Informationen um letztlich den Schuldigen zu entlarven. Das gelingt ihr nur, wenn sie genau zuhört und nicht zögert, auch ein zweites oder drittes Mal nachzuhaken. Wenn sie dann jemanden beschuldigt, sollten ihre Beweise schon ausreichen, sonst wird sie die Endsequenz nicht zu sehen bekommen.

Hat man diese Schlußsequenz dann erlebt, kann man sich noch darüber informieren, was denn aus den Hauptfiguren 23 Jahre später geworden ist. Unsere hilfsbereits Blumenfreundin Shy Ann wird demnach noch eine Rolle in dem nächsten Zeitreise-Adventure von Julia spielen, die noch nicht zurückkehren kann in die Gegenwart. Im nächsten Spiel sehen wir sie wieder im Paris der 20er Jahre.

Zusammenfassung

Die Sechziger waren eine aufregende, revolutionäre Zeit großer, sozialer und technologischer Veränderungen: unvergessene Mode, neue Musikrichtungen, Bürgerrechte, Emanzipation, ein umstrittener Krieg in Vietnam, der erste Mensch auf dem Mond, Friedensmärsche, Flower-Power und großartige Filmproduktionen. Das Gefühl dieser Zeit wird ohne Belehrungen sondern mit Leichtigkeit rübergebracht. Sicher nicht nur was für weibliche Teenager, sonder für alle, die mal ohne schwierige Rätselkost in diese Zeit schlüpfen und sich einfach unterhalten lassen möchten.

Love and Piece, Freunde!

 

Pro:
Ein Detektivspiel in den Sixties, daß einem die Jugend der Eltern näherbringt - mal was anderes! Professionelle Sprecher, witzige Dialoge und die untermalende Hintergrundmusik, z. B. mit den Gitarrenklängen ähnlich einer frühen Ina Deter, runden die Sache ab.

Contra:
Leider gibt es nur 12 Speicherplätze, die auch nur numeriert sind aber nicht mit Text beschriftet werden können. Die Spieldauer (ungefähr 10 - 12 Stunden) ist recht kurz! Link zur Homepage funktioniert nicht.

 

Meine Bewertung: 76%

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

 

Systemvoraussetzungen:

  • Windows 95/98/2000/NT 4.0 oder höher
  • Pentium 166 Mhz oder höher
  • 32 MB RAM
  • Grafikkarte mit 24bit Farbtiefe
  • 16bit Soundkarte
  • 8fach CDROM-Laufwerk

Gespielt auf:

  • WindowsME
  • Pentium III 850
  • 128 MB RAM
  • Sound- und Grafikkarte DirectX-kompatibel
  • Toshiba DVD-ROM

 

Reich und verwöhnt: Sheila
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Was weiß die Redakteurin des Guardian?
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Wohin bringt uns die Cable-Car-Bahn?
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Julias Mutter (rechts) hat ein Problem
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Die Beweismittel müssen gedeutet werden
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Sowohl Mel als auch Shy Ann sind eine Hilfe
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Was verbirgt der Musiker Rick?
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Dylan ist irgendwie Julias Typ
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Kann man Susan im Fotoladen trauen?
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Verhelfe den Eltern zum Happy-End!
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Nachlese
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Shy Ann wird noch eine Rolle spielen ...
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Im nächsten Spiel gehts um das Paris der 20er Jahre
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Mehr Screenshots

 

 

Copyright © slydos für Adventure-Archiv, 26. Oktober 2001

 

 

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