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Harvest 


Erscheinungsdatum: 12/2002
Entwickler/Publisher: Michael B. Clark

Zu kaufen über die
Homepage und im deutschen Online-Shop gamepad.

 

Ein Review von slydos   01. Februar 2002

"Harvest" ist ein weiteres Adventurespiel aus der aufblühenden Independent Entwicklerszene, genauer gesagt von Michael B. Clark, der dieses 1st-Person-Game mit Hilfe des Programms Adventuremaker ganz allein entwickelt hat und es auch unabhängig vermarktet. Das Spiel kann sowohl über die Homepage des Entwicklers als auch über den deutschen Onlineshop gamepad bezogen werden. 


Geschichte

Wie oft bei 1st-Person-Spielen, erfahren wir nicht sehr viel über die Identität der Person in deren Rolle wir schlüpfen und aus deren Augen wir das Spielgeschehen verfolgen. Unser namenloser Held macht einen abendlichen Spaziergang im Park mit seinem Hund Allibaster. Der jagt einem Tier hinterher und verschwindet einfach. Wir begeben uns auf die Suche nach ihm und finden den Eingang zu einem unterirdischen Komplex. Jemand hat hier einen wohlausgestatteten, riesigen Bunker angelegt und nach und nach erhalten wir Hinweise auf den Erbauer, seine Geschichte und das, was ihn antreibt. Wir dringen in die psychologischen Tiefen einer Familientragödie vor, die den Grundstein zu einer noch größeren, die gesamte Bevölkerung betreffenden Tragödie in sich birgt. Der Erbauer des Bunkers hat eine Maschine entwickelt, die aus Gestein Trinkwasser erzeugen kann. Aber wir finden heraus, daß das so gewonnene Wasser die Menschen schließlich vergiften wird. Allibaster wiederzufinden ist also nicht die einzige Herausforderung.

 

Installation/Start

Das Spiel befindet sich auf einer CDROM im Jewelcase. Eine knappe englische Beschreibung liegt der CD bei. Das Spiel hat keine Autoinstall-Funktion, so daß wir die Programminstallationsdatei selbst aufrufen müssen. Dann allerdings installieren sich die ca. 400 MB automatisch und problemlos auf der Festplatte.

Wir können zu Beginn die Bildschirmauflösung wählen und gelangen dann ins Hauptmenü. Mit "New Game", starten wir zunächst im Park auf der Suche nach unserem Hund und können uns bereits im Point&Click-Stil fortbewegen. Im Hauptmenü können wir ebenfalls gesicherte Spiele laden und das Game verlassen. Nachdem wir den wirklich gut versteckten Eingang zum Bunker gefunden haben, setzt ein kurzer Vorspann ein, der von einer ausgezeichneten, spannenden Intromusik begleitet wird. Wir landen schließlich in einem unterirdischen Gang und das Spiel beginnt ...

 

Steuerung

"Harvest" ist ausschließlich mausgesteuert. Der Cursor nimmt verschiedene Pfeilformen an um uns Szenenausgänge anzuzeigen, die wir per Linksklick benutzen. In Form eines Vergrößerungsglases läßt er uns Bereiche und Objekte näher betrachten. Mit dem Handicon können wir Objekte aufnehmen, die dann automatisch im Inventar verstaut werden oder auch Dinge manipulieren. Falls wir ein Inventarobjekt anwenden können, sehen wir ein Fadenkreuz. Normalerweise sind alle Hotspots deutlich markiert, es gibt allerdings keine zusätzliche Textbeschreibung im Aktionsbereich. Wir erfahren in der Regel erst im Inventar, was wir denn da aufgenommen haben.

Ein Inventarbutton ist immer sichtbar in der oberen linken Bildschirmecke. Durch einfaches Darüberfahren mit der Maus klappt der Inventarbalken aus, der sich wieder schließt wenn wir den Bereich mit der Maus wieder verlassen. Im Inventar befindet sich von Beginn an eine Lupe, mit der wir uns Inventargegenstände im Vollbildmodus vergrößert und mit Textzeile anzeigen lassen können. Inventarobjekte können innerhalb des Inventars kombiniert werden.

Per Drag&Drop werden Gegenstände ausgewählt und angewendet - sowohl im Inventar als auch am Spielbildschirm. An einer Stelle des Spiels gab es hier Schwierigkeiten mit dem sonst sehr einfachen Handling: es kann eine große Zahl von kleinen Steinchen aufgenommen werden. Dabei vergrößert sich der rot unterlegte Inventarbereich so weit nach unten, daß sogar ein Teil der notwendigen Interaktionsfläche zugedeckt wird und man die Steine nicht an den gewünschten und zur Rätsellösung notwendigen Stellen anwenden kann. Hier hätte die Größe des Inventars beschränkt werden müssen.

Mit der rechten Maustaste wird eine Windows-Menüzeile an- bzw. abgeschaltet, die sichern, laden oder das Spiel verlassen läßt. Savegames werden in einem Windows-Fenster gespeichert. Hier ist man weder bei der Namensgebung noch der Anzahl der Savegames beschränkt. Außerdem sind die gesicherten Spiele nicht alphabetisch, sondern nach Zeitpunkt der Sicherung absteigend sortiert, so daß das Auffinden leicht fällt.

Handling und Steuerung sind einfach und bedürfen keiner zusätzlichen Einweisung oder Erklärung.

 

Rätsel

Die Rätsel von "Harvest" sind vielfältig und teilweise sehr einfallsreich. Zum einen finden wir objekt- bzw. inventarbasierende Rätsel, zum anderen mechanisch-logische Rätsel im Myst-Stil aber auch ein Schiebepuzzle, Kodierungsrätsel, ein Labyrinth und Rätsel im Memorystil. Allerdings kann das erstmalige und danach häufigere Durchqueren des bekannten Labyrinths schon ein wenig Frust aufkommen lassen.

Es finden sich zu fast allen logisch durchdachten Rätseln - nehmen wir mal das Memory-Rätsel aus - Hinweise auf die Lösungen in irgendeiner Form an oft entfernten Stellen. Oft weisen Dokumente die richtige Richtung, zu denen man sich allerdings, wie zu vielen anderen Fakten, am besten Notizen machen sollte. Das Spiel ist überwiegend linear, überläßt aber an einigen Stellen dem Spieler/der Spielerin die Lösungsreihenfolge.

Michael B. Clark hat es bis auf wenige Ausnahmen verstanden, die Rätsel in die durchaus spannende Hintergrundstory zu integrieren und auch von den ausgetrittenen Pfaden der Finde Schlüssel/öffne Tür-Aufgaben abzuweichen. In "Harvest" kann man nicht sterben, es gibt keine zeitlich begrenzten Rätsel oder Actionelemente.

 

Grafik/Sound

Die Grafik von "Harvest" besteht zum ganz überwiegenden Teil aus statischen Hintergrundbildern mit ganz seltenen animierten Elementen. Im Dia-Show-Stil von Myst bewegt man sich durch selbstgezeichnete und grob texturierte Räume, die ein ausgesprochen laienhaftes Aussehen haben - Perspektiven und Proportionen sind nicht immer gelungen und auf Details wurde weitgehend verzichtet. Wer hier die Klasse von "Dark Fall§ oder des Freeware Adventures "Voodoo" erwartet, wird enttäuscht sein.

Sparsamer Sound und Musik sind recht gut getroffen, jedoch wiederholt sich hier einiges zu oft, was je nachdem, wie lange man zur Lösung braucht, schon etwas nervig wirken kann. Die Sprachausgabe, die wie alles andere ebenfalls eine Eigenproduktion ist, kommt nur zum Teil verständlich herüber. Bei der Geisterstimme des toten Vaters wurde eine Verzerrung angewendet, die es dem nicht muttersprachlich englischen Spieler schon schwer macht zu folgen, obwohl das gerade wichtig wäre, um die Aufgabenstellung zu verstehen. Leider sind die meisten Texte nicht untertitelt.

Sehr gut gelungen sind sicher die in der zweiten Hälfte eingestreuten Videosequenzen und das Auftauchen einer realen Person. Hier kommt tatsächlich Spannung auf und die Handlung bekommt eine neue Wendung.

 

Fazit

Das Erstlingswerk von Michael B. Clark ist noch weit entfernt von Perfektion speziell wenn man Grafik und Atmosphäre betrachtet. Aber wir finden hier eine durchaus psychologisch durchdachte Geschichte mit soliden Rätseln und einfachem Handling. Da ich, wie bereits in früheren Reviews erklärt, keine Freundin von Labyrinthen bin und dafür einen Walkthrough verwendet habe, kann ich die totale Spielzeit mit ca. 16 bis 18 Stunden nur schätzen. "Harvest" ist empfehlenswert für 1st-Person-Fans, die keinen verstärkten Wert auf Grafikqualität legen sondern sich speziell auf knifflige Rätsel konzentrieren möchten.

 

Bewertung: 62%

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Minimale Systemvoraussetzungen:

  • WIN95/98/ME/XP
  • Pentium 75 Mhz+
  • CDROM
  • 400 MB freier Festplattenplatz
  • Maus

Gespielt mit:

  • Windows XP
  • P IV 1,6 GHz
  • 512 MB RAM
  • 16x DVD-ROM (Artec WRA-A40)
  • nVidia GeForce 2MX400 64 MB Grafikkarte
  • Soundkarte DirectX-kompatibel

















 

 

 

 

 

 

 

 

 

Copyright © slydos für Adventure-Archiv, 01. Februar 2002

 

 

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