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Fairy Tale -
About Father Frost, Ivan & Nastya 


Erscheinungsdatum Großbritannien: 03/2003
Entwickler: Bohemia Interactive Studio
Publisher: Cenega

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Boxshots
Spielsprache und Handbuch: Englisch

 

 

Ein Review von slydos   07. Mai 2004

 

 

Fairy Tale - Father Frost, Ivan & Nastya - ist ein langer Titel für die englische Version des Märchenadventures von Bohemia Interactive aus Prag. Fairy Tale ist sehr stark an den russischen Märchenfilm Morozko (Father Frost) aus den 60er Jahren angelehnt. Sowohl Film als auch Spiel setzen sich zusammen aus einer Reihe von slawischen Märchen und deren Protagonisten, folgen aber primär den beiden Volksüberlieferungen um Väterchen Frost und die Hexe Baba Yaga.

In unserem Adventure dürfen wir nicht nur die Bauerntochter Nastienka oder kurz Nastya verkörpern, sondern gleichberechtigt und abwechselnd auch in die Rolle von Ivan schlüpfen, oder wie seine Mutter ihn nennt: Vanya.

 

 

 


Nastya muß den ganzen Laden bereits vor Sonnenaufgang schmeißen
Nastya muß den ganzen Laden bereits vor Sonnenaufgang schmeißen

Die Frau vorne rechts ist die offizielle Kupplerin des Dorfes
Die Frau rechts ist die offizielle Kupplerin des Dorfes

Geschichte

Die liebenswerte, arbeitsame Nastienka wird von ihrer unangenehmen Stiefmutter tyrannisiert, die ihre leibliche Tochter Marfusha in allen Belangen vorzieht und in ihrer Faulheit unterstützt. Übrigens, nicht daß man denken sollte, Nastyas Vater sei etwa tot, er hat nur nicht viel zu sagen in diesem Haushalt. Er spielt die Rolle des Pantoffelhelden, der die Anweisungen seiner Frau ausführt.

Nachdem Nastya ihre wenige Freizeit zwischen der vielen anstrengenden Arbeit für einen Plausch mit Stumpy, dem Baumstumpf genützt hat, trifft sie auf den rücksichtslosen Egomanen Ivan, der eine Braut sucht und unserer Heldin auch gleich einen Verlobungsring ansteckt. Nastienka scheint seinen guten Kern zu wittern (zumindest scheint sie den Macho der häuslichen Situation vorzuziehen), aber die Geister des Waldes bestrafen den selbstbezogenen Ivan erst einmal, damit er Demut und Hilfsbereitschaft lernt und verwandeln ihn - in einen Bären! Sowohl Nastya als auch Ivan müssen jetzt eine Reihe von Prüfungen bestehen, bevor sie letztlich wieder zusammenfinden und wir das übliche Märchen-Happy-End erleben dürfen.

Der jungen Zielgruppe wird mit Fairy Tale die eindeutige moralische Botschaft geliefert, daß Mitgefühl und Hilfsbereitschaft einen hohen sozialen Stellenwert haben. Während Nastya bereits in dieser Hinsicht weit fortgeschritten ist, muß Ivan seine Lektionen noch lernen. Auch wenn die Schauplätze einen recht idyllischen Eindruck vermitteln, haben die Charaktere allesamt nichts mit romantischer Abgehobenheit am Hut, sondern regeln ihre Angelegenheiten pragmatisch vernünftig.

Dabei wird unser Märchen-Adventure mit viel Humor und Augenzwinkern erzählt. Wir erfahren z. B. wie Brautschau und Hochzeitsverhandlungen im ländlichen Rußland abgelaufen sind und müssen unweigerlich schmunzeln, wenn die ständig quängelnde Marfucha mit der Faust auf den Tisch haut oder mit dem Fuß aufstampft und fordert: "Ich will jetzt endlich einen Ehemann!" Da wird sogar die ewig keifende Mutter kleinlaut und versucht, die Tochter zu beschwichtigen.

Installation/Start

Fairy Tale kommt auf 1 CDROM mit englischen Handbuch in einer DVD-Verpackung. In den Systemanforderungen ist zwar kein Windows XP vermerkt, aber Installation und Start des Spiels laufen auch hier reibungslos und automatisch. Man kann zwischen der Minimalinstallation von 210 MB und der Vollinstallation von 420 MB wählen.

Das fast vollkommen mausgesteuerte Spiel (nur für den Zugang zum Hauptmenü müssen wir die ESC-Taste verwenden), beginnt mit einem Intro, in dem wir das Bauernhaus bei Nacht erleben. Alles schläft ... außer einer bluthungrigen Mücke, die durch ihren Stich Marfusha weckt, worauf ein Gezeter losgeht. Die Stiefmutter, kaum erwacht, spuckt erstmal die üblichen Schimpfwörter gegen Nastya aus und schickt sie hinaus in die Dunkelheit, damit sie bereits einige Arbeiten erledigen kann, bevor die Familie aufsteht.

Handling

Der Cursor hat das Aussehen einer funkelnden Schneeflocke und ändert seine Form je nach Aktionsmöglichkeit. Wir steuern Nastya/Ivan damit bzw. klicken einen der durch Textanzeigen markierten Hotspots mit der linken oder rechten Maustaste an. Wir erhalten dadurch eine Erklärung, nehmen einen Gegenstand auf oder reden mit einer Person. Szenenausgänge sind durch Pfeile (ebenfalls beschriftet) angezeigt. Das Inventar wird eingeblendet, wenn man mit der Maus in den oberen Bildschirmbereich fährt.

Das kann an manchen Stellen etwas stören, nämlich genau dann, wenn sich ein Bildschirmausgang oder anderer Hotspot an der Stelle befindet, da man mit einem Klick meist ein Inventarobjekt aufnimmt, statt die gewünschte Aktion auszuführen. Mit einem Rechtsklick ist der Gegenstand allerdings schnell wieder verstaut und wir können einen neuen Versuch machen.

Das Inventar ist scrollbar und wir können uns per Rechtsklick eine Text-Beschreibung der Objekte anzeigen lassen.

Die ESC-Taste führt zum Hauptmenü wo wir die Menüpunkte Speichern und Laden finden. Die unbegrenten Savegames können selbst beschriftet werden und erhalten die aktuelle Szene als kleines Bild beigefügt. Einstellungen zu Sound, Farben, Spezialeffekten und Einblendung von Untertiteln sind über das Optionsmenü zu steuern.

Ein angenehm einfaches, intuitiv erfaßbares Handling, das einen ohne Lernphase direkt ins Spiel eintauchen läßt.

Grafik/Sound/Musik

Standardeinstellung ist 64K Farbe, wir können über das Optionsmenü auf 16,7 Mio. Farben/Trucolor wechseln. Sowohl die beweglichen Grafiken als auch die überschaubare Zahl der Hintergründe sind handgemalt, bei weitem nicht spartanisch aber auch nicht zu detailverliebt und überladen. Sie sind stark in Farbe und Ausdruck ohne dabei einfach eine Imitation des Disneystils darzustellen.

Einige der Schauplätze, wie z. B. Nastyas heimischer Hof oder der Marktplatz können sowohl bei Tag als auch bei Nacht besucht werden, ebenfalls wurde der Wechsel der Jahreszeiten berücksichtigt - den 4 Jahreszeiten wird jeweils ein Kapitel des Spiels gewidmet.

Die Soundeffekte passen, aber eine Übereinstimmung von Bild und Ton ist nicht immer gegeben - obwohl wir im Schnee z. B. die passenden Fußstapfen als Geräusch hören, sind sie doch nicht als Fußabdruck zu sehen. Alle Szenen strotzen nur so von Geräuschen, wie das Zirpen von Grillen, Vogelgezwitscher, Froschquaken usw., usw..

Verlassen wir einen Hauptschauplatz, gelangen wir auf eine Übersicht, die uns die zugänglichen weiteren Orte mit kleinen Screenshots anbietet.

Die Bewegungen von Nastya/Ivan und den NPCs wirken echt, Mienenspiel und Gesten werden sparsam aber realistisch eingesetzt.

Begleitet werden die Filmszenen und ein Teil der Spielhandlung durch (abschaltbare) russische Volksweisen mit melancholisch-sehnsuchtsvollen Balalaikaklängen. Die Musik wird entsprechend gedämpft, wenn wir Dialoge beginnen, so daß es immer leicht ist, sie akustisch zu verstehen ohne selbst Lautstärkeveränderungen vornehmen zu müssen.

Dialoge

Die Gesamt-Dialogdauer beträgt nach Herstellerangaben 4 Stunden. In der Rahmenhandlung wird das Märchen zwei Kindern als Gute-Nacht-Geschichte von der Großmutter vorgelesen. Die Charaktere werden von englischen Profisprechern gut synchronisiert. Dabei sind die ebenfalls englischen Untertitel jederzeit zu-/abschaltbar. Die Dialoginhalte gehen über das rein Notwendige hinaus und geben uns einen Einblick in die Beziehungsstruktur der Charaktere:

Wenn Nastya nach ihrem Namen gefragt wird, sagt sie: "Mein Name ist Nastienka, mein Vater nennt mich Nastya, meine Stiefmutter sagt 'Poisonous Viper' zu mir." Wir erkennen, daß ihr trauriges Verhältnis zu ihrer Stiefmutter für sie zur selbstverständlichen Tagesordnung gehört, die sie akzeptiert hat. Nur dem Baumstumpf Stumpy vertraut sie ihren Kummer an.

Wir führen nicht nur Gespräche mit den normalen menschlichen Bewohnern sondern auch mit Geistern, Sagengestalten aber auch Tieren und Pflanzen. Nicht nur hörens- sondern auch sehenwert ist die Unterhaltung mit Shrieky, der Fledermaus!

Rätsel

Die Rätselstruktur in Fairy Tale basiert auf dem Finden und Anwenden von Gegenständen und dem Führen von Gesprächen. Inventarobjekte können kombiniert werden. Dabei liegt der Schwierigkeitsgrad fast durchweg bei 'einfach' und ist der jungen Zielgruppe angemessen.

Alle Rätsel, die bis zu einem gewissen Grad innerhalb eines Kapitels in unterschiedlicher Reihenfolge gelöst werden können, ergeben sich logisch aus der Geschichte und es sind keine großen Wege zurückzulegen. Die Anzahl der Inventargegenstände und zugänglichen Schauplätze steigert sich im Verlaufe des Spiels, so daß man mehr nachdenken muß aber niemals festhängt. Es gibt außerdem eine ausgewogene Anzahl von Hotspots, die einen erklärenden aber keinen rätselrelevanten Charakter haben. Die Spieler werden dadurch zur genauen Auseinandersetzung mit den dargebotenen Schauplätzen gebracht und erhalten Informationen, die das Märchen ausschmücken. Es gibt keine Action-/Reaktionselemente und kein Game-Over.

Ich möchtet die durchschnittliche Spieldauer ohne Verwendung von Lösungshilfen mit 12 Stunden bemessen. Das ist eine lobenswerte Dauer (und angemessenes Preis-/Leistungsverhältnis) für ein klassisches inventar-/dialogbasiertes Adventurespiel für Kinder, das ohne Spielverlängerer wie Minispiele, Labyrinthe usw. auskommt.

Technische Anmerkungen

Mir ist ein Bug während einer längeren Filmsequenz untergekommen, der ein Weiterspielen verhinderte. Dieser Fehler war auch unter Windows ME nicht abzuwenden und nur durch ein Savegame zu umgehen. Sonst lief das Spiel auf den 2 Testrechnern reibungslos.

Fazit

Ein klassisches Märchenadventure, das man allen Adventurefreunden - gleich welchen Alters - empfehlen kann, die gewillt sind, sich mit den leicht verständlichen englischen Texten auseinanderzusetzen und dabei ihre Sprachkompetenz ganz nebenbei erweitern werden. Fairy Tale ist größtenteils gewaltfrei (nimmt man mal das Aussetzen bei extremen Minustemperaturen und das Antoasten der Hexe aus) und soll - wie fast alle Märchen - die Entwicklung von moralischen Wertvorstellungen fördern - man lernt ja noch früh genug, wie praktisch Rücksichtslosigkeit sein kann. Märchenspezialisten würde sicher noch jede Menge Tiefgründiges einfallen, mir bleibt nur zu sagen, daß Fairy Tale ohne Umwege direkt an Herz und Gefühle geht und damit sowohl Einsteiger als auch Fortgeschrittene gut unterhält.

 

Bewertung: 75%


Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Minimale Systemvoraussetzungen:

  • Windows 98/ME/2000
  • Pentium 166
  • 32 MB RAM
  • 210 MB auf der Festplatte
  • 2 MB Grafikkarte
  • Soundkarte
  • 8x CDROM
  • Maus

Gespielt mit:

  • Windows XP
  • P IV 1,6 GHz
  • 512 MB RAM
  • 16x DVD-ROM (Artec WRA-A40)
  • nVidia GeForce 2MX400 64 MB Grafikkarte
  • Soundkarte DirectX-kompatibel


Ivan steht auf dem Standpunkt: I'm a hero - I don't need any money!
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Sogar das Wetter ist diesem Unglücksraben nicht wohl gesonnen
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Das Kloster hat einen geräumigen Keller
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Die beiden Handwerker haben große Ähnlichkeit mit Stan & Ollie
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Der Nachtwächter gehört nicht zu den Mutigsten
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Heiratsverhandlungen
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Väterchen Frost
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Diese schlanken Gestalten bewachen das Hexenhaus
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Die Wahrsagerin hilft Nastya weiter
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Ein Drache versperrt den Weg
Ein Drache versperrt den Weg

 

Das ist 'Frau Sommer'
'Frau Sommer'

 

 

Mehr Screenshots

 

 

 

 

 

 

 

Copyright © slydos für Adventure-Archiv, 07. Mai 2004

 

 

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